Tja, wie sollte man den perfekten Freizeitpark-Besuch der Woche davor überhaupt toppen? Mit den Kids alles gefahren, was sie durften. Meinen Frieden mit Arthur geschlossen. Und nun ein paar Tage später zum ersten Mal überhaupt einen ganzen Tag alleine im Park. Die Ausrede lange Wartezeiten zählte nun nicht mehr, die Zeit war reif für meine Rückkehr auf der Poseidon.

Zum Start: Die Klassiker

Nachdem es sich heute erneut hinter den Hotels staute, schaffte ich es auch dieses mal nicht, vor 10 Uhr im Park zu sein. Verlor aber auch unnötig Zeit, weil ich den alten Weg über Grafenhausen und Kappel gefahren bin und die ganze Zeit hinter einem Fahrschulauto rum gurken musste.

Im Park selbst startete ich mal wieder so richtig schön retromäßig. Zunächst mit der Panoramabahn nach Spanien, danach Alpenexpress und Wildwasserbahn und ab in Richtung Fjord Rafting. Da es an diesem Tag doch recht heiß war, plante ich Fjord Rafting einfach am frühen Vormittag ein, um längere Wartezeiten hier zu umgehen. 15 Minuten waren um diese Zeit noch im Rahmen, später im Laufe des Tages sollten es doch deutlich mehr werden.

Batavia, Silver Stone und Schweizer Bobbahn

Meine zweite Batavia-Fahrt stand nun auf dem Programm. Hatte mir eh vor genommen, die Piraten heute öfters zu fahren, weil ich mich dem Wimmelbild-Charakter des Dark Rides nur schwer entziehen konnte und ich neugierig war, was man auf weiteren Fahrten noch alles so entdecken würde. Mir gefiel die zweite Fahrt noch deutlich besser, als die erste, vor allem die Musik konnte mich dieses mal so richtig schön fesseln.

Ein Rundfahrgeschäft im niederländischen Themenbereich ist Pflicht, und da wir die Woche zuvor die Kaffeetassen unsicher gemacht haben, wählte ich heute den Fliegenden Holländer. Danach hielten sich die Wartzeiten auf der Silver Stone Piste auch im Rahmen und so nahm ich die guten, alten Benzinstinker auch direkt mit. Zum ersten Mal in diesem Jahr. Die machen immer noch verdammt viel Spaß, fraglich aber, wie lang die noch mit Benzin fahren werden.

Halloween-Deko war auch schon überall zu finden, die Kürbisse standen bereit, fehlte nur noch die passende Musik dazu, wobei man sagen muss, dass bei 30 Grad jetzt nicht unbedingt Halloween-Feeling aufkommt, aber egal. So ging es über England dann direkt in die Schweiz, wo die Bobbahn schon auf mich wartete. Wartezeit war mit 20 Minuten im Rahmen, hatte dieses mal aber doch einen leichten Drehwurm nach der Fahrt, saß aber auch ganz hinten, lag eventuell daran.

Gitchie, gitchie, ya-ya, da-da

Can Can Coaster-Time. Nach meiner Premierenfahrt im Juni gehört die Dunkelachterbahn jetzt wieder zum absoluten Pflichtprogramm. Allerdings war die Wartezeit hier doch recht ordentlich und ich war auch ziemlich perplex, dass die Queue sogar einen Umweg über die Blinde Elz durch den Schweizer Themenbereich macht. WTF? Gerade hier wo die Queue von außen nicht mehr einsehbar war, ließen doch viele plötzlich die Hüllen, bzw. die Masken fallen. Naja, fand ich jetzt nicht so prickelnd.

Die Fahrt selbst war wieder ein Traum. Saß erneut in der ersten Reihe und genoss den Flug über Paris wieder in vollen Züge. Das Strecken-Layout gefällt mir durch den zweiten Drop und den kleinen Airtime-Hügeln sogar noch besser, als die alte Euro-Sat.

Zur Entspannung gab es im Anschluss eine Fahrt mit Freudenreichs LSD-Dinos, bevor ich mich auf die unmenschliche Suche nach einem Getränk in Form eines Mineralwassers machte, was sich an diesem Tag als gar nicht so einfach herausstellen sollte, da coronabedingt viele Stände einfach geschlossen hatten. So viel die Wahl zwangsläufig auf Marios Pizza, dort gab es wenigstens Wasser.

Ruhe vor dem Sturm

Bevor es auf die Poseidon ging, ließ ich es nach einer kurzen Pause noch einmal gemächlich angehen. Zunächst zum ersten Mal alleine Volo da Vinci über den deutschen Themenbereich geradelt und mich vom Sprecher beschimpfen zu lassen, weil ich zu faul war, die Pedale zu bedienen. Danach folgten Jim Knopfs Reise durchs Lummerland und eine Runde Elfenfahrt, auf die ich mich sehr freute, denn die Elfenfahrt haben wir beim Family-Ausflug die Woche zu vor tatsächlich ausgelassen und das geht eigentlich gar nicht.

Im Geisterschloss erwarteten mich dann auch drei neue Gemälde, welche den Eingangsbereich noch weiter aufgewertet haben, denn die sind qualitativ richtig gut geworden. Allerdings hätte man meiner Meinung nach besser die Happy Family Bilder rausgenommen, denn die passen nun wirklich gar nicht mehr so recht da rein. Viel zu bunt, viel zu kindisch. Denke, die werden als nächstes dran glauben müssen. Danach fuhr ich dann Hand-in-Hand ins schöner Wunderland, der Fantasie, vorbei am Pizzabäcker und dem venezianischen Karnevalskostümen in der Piccolo Mondo Bahn.

Poseidon’s Calling

Dann war es so weit, die Rückkehr auf die Poseidon stand bevor. Wartezeiten bei einer Minute, und das trotz 30 Grad und strahlendem Sonnenschein? Das Mittagspause-Phänomen, während sich die Leute bei Mykonos Taverne die Füße in den Bauch standen, herrschte bei Poseidon tote Hose. Seit meiner letzten Fahrt mit der Wasserachterbahn sind 17 Jahre vergangen, dementsprechend groß war der Respekt, wir kennen das ja mit der Höhenangst.

Aber wie das häufig bei Achterbahnen der Fall ist, so hoch kommt es einem während der Fahrt dann doch nicht vor und außerdem ist man eh die ganze Zeit über im Angriffsmodus, da hat die Panik eigentlich keine Chance. Der erste Drop ist immer noch eine ziemlich ruckelige Angelegenheit, nicht sonderlich aufregend, eher gemächlich, mit leichtem Magengrumeln in der Kurve, aber ansonsten ganz okay.

Der zweite Drop ist dann aber ein absolutes Highlight, die Bahn hat ordentlich Tempo, schießt durch den kleinen Tunnel und über einen Airtime Hügel, bevor wir in einer großen Wasserfontäne im blauen Meer der griechischen Ägäis landen. Ich selbst hatte einen richtigen Lachflash. Selten hatte ich so abartig viel Spaß bei einer Attraktion, wie bei meiner ersten Poseidon-Fahrt seit Ewigkeiten. Und so kam es dazu, dass ich mich gleich nochmal anstellte, zweimal hintereinander die gleiche Attraktion. Warum eigentlich nicht? Poseidon toppte an diesem Tag sogar den Can Can Coaster. Von den alten Achterbahnen fehlen jetzt also nur noch zwei, Matterhorn-Blitz und Euro-Mir. Beides Bahnen, die mir überhaupt nicht gefallen und nie gefallen haben. Aber nach Poseidon, Arthur und Can Can Coaster gibt es jetzt auch hier keine Ausreden mehr. Zumindest den Matterhorn-Blitz plane ich für 2020 noch fest mit ein.

Nach der Sause – Mittagspause

Nach dem Poseidon Doppel war der Adrenalin-Spiegel komplett am Boden. Schnell noch eine Runde Atlantis und einem weiteren verzweifelten Besuch einen Platz in der Daily Highscore zu ergattern, was aber allein fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Widererwartend gefiel mir der neue Soundtrack sogar ganz gut, auch wenn er noch nicht ganz so direkt ins Ohr geht, wie der Alte, aber ich denke, ich werde mich mit dem neuen Soundtrack anfreunden können.

Macht Achterbahnfahren hungrig? Normalerweise bin ich nicht der Mensch, der bei einem Freizeitpark-Besuch zwingend was essen müsste, aber heute hatte ich plötzlich einen riesigen Hungeranfall und der musste dringend gestillt werden. Ich brauchte Schnitzel mit Pommes. Asia Food aus dem Bamboo Baai wäre jetzt nicht unbedingt mein Ding gewesen. Das nächste Mal vielleicht. Mein Wahl viel auf das Petite France, welches schon seit Urzeiten im Park seinen festen Platz hat und welches ich bis heute nie besucht hatte. Dummerweise lief ich mit der Kirche ums Dorf, da man Corona-Sei-Dank nicht über die Terrasse, ins Restaurant konnte, machte aber nix, so kann man seine 15.000 Schritte als Ziel auch gut faken.

Poseidon hatte natürlich meine Tickets komplett eingeweicht, so dass ich mich über mein Smartphone identifizieren musste, ging aber problemlos, hatte meine Tickets vorher zum Glück runtergeladen. Die Pommes waren in der Tat essbar, das Schnitzel war halbwegs okay, schmeckte halt kantinenmäßig, wie an der Autobahnraststätte auch. Wenn man aber draußen aus der Terrasse sitzt geht einem zwangsläufig der Soundtrack von Jim Knopf auf den Keks. Ständig die Melodie von: Eine Insel mit zwei Bergen …..

Zeit für Entspannung

Ohne Adrenalin und mit vollem Ranzen wurde es dann Zeit, die Action ein wenig zurück zu schrauben und mich den entspannteren Themenfahrten zu widmen. Den Anfang machte die Marionetten-Bootsfahrt, bei der nach wie vor jedes Boot vor der Fahrt desinfiziert wird. Gefolgt dann von der Oldtimer-Fahrt, bei der ich mich dieses mal gleich nach hinten setzte, da ich meine Beine vorne partout nicht mehr unterbringe.

Weiter ging es nach Irland. Eigentlich ein Bereich, den ich ohne Kids meistens auslasse, aber mir hat das Spinning Dragons Rundfahrgeschäft bei meinem letzten Besuch einfach so gut gefallen, dass ich das heute auch nochmal mitnehmen wollte. Baa-aa-aa Express geht sowieso immer und dieses mal gurkte ich dann auch noch mit dem Old McDonalds Traktor durch Kuhställe und Schafsherden vorbei an Vogelscheuchen und anderen Schweinereien. Immer wieder ein Highlight ist die Tür zum Traktor, für die bin ich einfach zu blöd.

Elefantenfelsen am Mississippi

I did it. Jedesmal eine neue Attraktion entdecken und dieses Mal bin ich tatsächlich zum allerersten Mal mit dem tollen Raddampfer über den Mississippi gefahren. Vorbei an den schönen Rückseiten der Märchenallee und an dem legendären Elefantenfelsen, der dort auch schon seit den 80er Jahren seinen festen Platz hat. Nur frage ich mich, ob es am Mississippi schon immer Elefanten gegeben hat? Oder umschleicht mich hier dieses merkwürdige Gefühl, dass wir gar nicht auf dem Mississippi unterwegs sind, sondern auf dem Nil in Afrika? African Queen?

Um diese doch recht gemächliche Fahrt etwas aufzupeppen, hat man irgendwann einmal ein paar Splash Battle Kanonen installiert. Das macht die Fahrt aber nicht wirklich aufregender, man trifft die Dschungel-Floßfahrt Boote sowieso nicht. Im Grunde ist die Fahrt so langweilig wie sie von außen her auch ausschaut und obendrein ist sie auch noch ein richtiger Zeitfresser, denn wenn man wie ich das Pech hat, dass der Dampfer gerade vor einem losgefahren ist, steht man auch nochmal 10 Minuten an, bis er dann wieder angelegt hat. Das beste an der Fahrt ist da noch der bluesige Soundtrack an der Station, mit diesen unglaublich coolen Blues-Harp Melodie. Blues passt dann doch wieder besser zum Mississippi, womit wir wieder bei meiner Ausgangsfrage wären.

Mein Fazit nach meiner ersten Mississippi-Was-Auch-Immer-Dampfer Fahrt: Kann wegbleiben.

Ehrenrunde

So langsam wurde die Zeit jetzt doch etwas knapp und so startete ich nach meinem Walk durch die Zauberwelt der Diamanten dann mit den Ehrenrunden, also der zweiten Fahrt des Tages mit den Attraktionen Alpenexpress, Wildwassserbahn und Piraten in Batavia. Wartezeiten gab es an keiner der drei Attraktionen mehr.

Bei der Wildwasserbahn entpuppte sich vor allem der erste kleine Drop mal wieder als gefährliche Dusche und setzte das komplette Boot unter Wasser. Wenigstens gelang mir in der Höhle dann dieses stimmungsvolle Foto der Alpenexpress Kurve. Die Burg auf dem Gemälde ist mir noch nie vorher aufgefallen. Und ich bin da schon wirklich oft genug durchgefahren.

Die Piratenbahn war auch bei der zweiten Fahrt des Tages noch ziemlich beeindruckend, vor allem das Stelzendorf mit seinen ganzen Dekorationen ist wunderschön, die komplette Fahrt geht geschlagene 8 Minuten, aber sie kommt einem doch deutlich kürzer vor.

Das große Rennen

Was vermutlich nie anders wird ist, dass man einen Europa-Park Besuch niemals gemütlich ausklingen lässt, sondern dass man in der letzten Stunde versucht, nochmal so viel wie möglich mitzunehmen, vollkommen egal, was für eine Bahn man fährt, Hauptsache Party-Time. Man könnte sich nochmal gemütlich ein Eis holen, oder sich die schöne Halloween-Deko anschauen, aber nix da. Jetzt wird nochmal Gas gegeben.

Den Anfang machte also Snorri Touren, gut, akzeptiert, die Bahn bin ich an diesem Tag ja auch noch nicht gefahren und lag natürlich grad um die Ecke von den Piraten und Wartezeiten gibt es nach 17:00 Uhr dann eh keine mehr. Warum ich dann aber nach Island gelaufen bin um zum dritten Mal in diesem Jahr mit Whale Adventures zu fahren, weiß auch nur der liebe Gott. Vermutlich ging es nur darum, den Schrittezähler noch etwas zu pushen. So bahnbrechend überragend finde ich Whale Adventures jetzt auch nicht unbedingt. Auf dem Weg zurück folgte dann die dritte Fahrt mit den Batavia-Piraten an einem Tag. Langweilig? No way. Wäre sofort wieder eingestiegen um nochmal eine Runde zu fahren.

Dafür durfte die Schlittenfahrt Schneeflöckchen nicht fehlen. Jetzt erst recht nicht. Wenn von den Kids schon keiner mehr mit mir Schneeflöckchen fahren will, fahr ich wenigstens allein. Buh!

Finale

Nachdem ich den Lindt-Shop in Russland geraidet hab (Die neuen Sorten gab es immer noch nicht) folgte die zweite Fahrt mit dem Geisterschloss, bevor die Elfenfahrt dann den Abschluss eines schönen und doch anstrengenden Tages bilden durfte. Zweimal Elfenfahrt an einem Tag ist jetzt auch nicht unbedingt etwas, dass ich schon öfters gemacht hätte. Aber durchaus passend zu diesem recht außergewöhnlichen Tag.

Es war das erste Mal, dass ich einen ganzen Tag alleine im Park verbracht habe, es war das erste Mal seit 17 Jahren, dass ich wieder Poseidon gefahren bin und es war das erste Mal überhaupt, dass ich mit dem schnarchigen Mississippi-Dampfer gefahren bin. Es war im Grunde genommen genau der Tag, den ich mir für meinen ersten Besuch 2020 vorgenommen habe (Bis auf Batavia eben, denn das hatte im März noch nicht auf). Volles Programm, gesunde Mischung aus Action und Entspannung. Eben genau das, was ich einmal im Monat gerne machen würde, aber dank Corona und der unglücklichen Clubkarten-Lösung für mich bisher nicht umsetzbar war.

Dennoch waren zwei fette Europa-Park Tage innerhalb von wenigen Tagen. Kein schlechter Start und je nach Corona-Situation werden 2020 doch noch der ein oder andere Besuch dazu kommen.

Top 3 Attraktionen:
1. Wasserachterbahn Poseidon
2. Can Can Coaster
3. Piraten in Batavia

Attraktionen Gesamt: 27
Anzahl Schritte: 15779
Kilometer: 11,74 km